Zu sagen «Mir geht es gut» hat einen Preis, und du zahlst ihn in Raten
Zu sagen «Mir geht es gut» hat einen Preis, und du zahlst ihn in Raten
Es ist die kürzeste Antwort und die teuerste. Jedes Mal, wenn du sie gibst, wird der Abstand zwischen dem, was du zeigst, und dem, was ist, ein Stück größer.
Warum wir es trotzdem sagen
Weil die Wahrheit ein Gespräch eröffnet, für das gerade niemand Zeit hat — du eingeschlossen. Weil die Frage oft keine Frage ist, sondern eine Begrüßung. Und weil ehrlich zu antworten bedeutet, dass du danach etwas erklären musst, wofür du selbst noch keine Worte hast.
Der Preis ist nicht die Lüge, sondern die Gewöhnung
Einmal ist nichts. Aber nach dem hundertsten Mal kennt niemand mehr deine echte Lage — und irgendwann du selbst auch nicht mehr. Du verlierst nicht nur die Möglichkeit, dass jemand hilft. Du verlierst den Zugang zu dem, wie es dir wirklich geht.
Die Einsamkeit, die daraus entsteht
Sie ist besonders, weil du mitten unter Menschen sitzt. Alle sind da, alle sind freundlich, und niemand weiß es. Das fühlt sich schlimmer an als allein zu sein, weil du dabei zusehen musst.
Was helfen kann
Nicht gleich alles. Ein Satz mehr als sonst, an einem Ort, an dem er dich nichts kostet. Schreib ihn auf, ohne Namen, ohne Erklärung. Du musst ihn niemandem geben. Es reicht, dass er einmal außerhalb deines Kopfes existiert.