Ich glaube, mein Mann hatte keine körperliche Affäre, aber vielleicht etwas, das sich für mich fast schlimmer anfühlt. Da ist eine Kollegin, mit der er über Monate sehr viel geschrieben hat. Nichts eindeutig Sexuelles. Keine Liebeserklärungen.

Keine Hotelbuchungen. Aber sie wusste Dinge über unsere Ehe, die ich für privat gehalten habe. Sie wusste von unseren Streits, von meinen Problemen mit seiner Familie, von meiner Unsicherheit wegen meines Jobs, sogar von Dingen, die ich ihm in sehr verletzlichen Momenten erzählt hatte.

Als ich das entdeckt habe, sagte er, sie sei einfach jemand gewesen, mit dem er reden konnte, weil sie „außen steht“. Genau dieser Satz hat mich getroffen. Ich war doch da. Wir hatten Probleme, ja, aber ich war da. Seitdem frage ich mich ständig, wo Freundschaft aufhört und emotionale Untreue anfängt.

Er hat den Kontakt reduziert, war offen mit seinem Handy, hat vieles erklärt. Trotzdem reagiere ich heute auf jede neue Kollegin anders. Ich merke mir Namen. Ich registriere, wenn er spät schreibt. Ich beobachte, wie er lächelt, wenn eine Nachricht kommt.

Ich hasse das an mir. Früher war ich stolz darauf, nicht kontrollierend zu sein. Jetzt verstehe ich, wie schnell Misstrauen einen Menschen verändern kann. Vielleicht hat er mich nie „betrogen“ im klassischen Sinn. Aber das Gefühl, dass jemand anderes Zugang zu dem innersten Raum unserer Beziehung hatte, hat etwas in mir zerstört, das sich nicht einfach mit dem Satz „da war doch nichts“ reparieren lässt.

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