Praktische Frage, und bitte schreiben Sie mir nicht "nehmen Sie sich einen Anwalt" — ich will wissen, ob es sich lohnt. Meine Berufsunfähigkeitsversicherung hat abgelehnt.
Alle Zahlen, damit die Antworten brauchbar sind.
Ich bin siebenundvierzig, Zahntechnikerin, seit 2001 im Beruf. Selbstständig mit einem kleinen Labor seit 2011, zwei Angestellte.
Die Versicherung: BU-Versicherung, abgeschlossen 2009, versicherte Rente eintausendsechshundert Euro monatlich, Beitrag aktuell einhundertvierundachtzig Euro im Monat. Ich habe sie sechzehn Jahre bezahlt: etwa fünfunddreißigtausend Euro.
Die Erkrankung: eine Sehnenerkrankung beider Hände, mit einer Operation rechts 2023 und einer links 2024, plus eine diagnostizierte Nervenkompression rechts. Dazu ein Tremor, der 2024 begonnen hat und der neurologisch abgeklärt wird, bisher ohne eindeutige Zuordnung.
Was ich nicht mehr kann: Feinarbeit über längere Zeit. Konkret: Modellation, Keramikschichtung, alles, was Präzision über mehr als etwa zwanzig Minuten verlangt. Ich kann planen, kalkulieren, einkaufen, mit Praxen telefonieren und meine Angestellten anleiten.
Antrag gestellt im Februar 2025. Mit zwei fachärztlichen Berichten, dem OP-Berichten und einer eigenen Tätigkeitsbeschreibung über vier Seiten.
Ablehnung im September 2025.
Die Begründung, und das ist der Kern meiner Frage: der Versicherer argumentiert, dass ich als Inhaberin meines Labors meine Tätigkeit "umorganisieren" könne — also die Feinarbeit auf meine Angestellten verlagern und selbst die kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben übernehmen —, und dass damit keine Berufsunfähigkeit im Sinne der Bedingungen vorliege.
Meine Fragen:
Erstens: Dieser Umorganisationsgedanke — ist der bei Selbstständigen üblich und wie weit reicht er? Mein Labor hat zwei Angestellte und einen Jahresumsatz von etwa zweihundertzehntausend Euro. Ich bin derjenige, der etwa sechzig Prozent der Produktion macht.
Gibt es eine Grenze, ab der eine Umorganisation unzumutbar ist, und gibt es Zahlen dazu — Mitarbeiterzahl, Umsatzanteil, Kosten?
Zweitens: Was bedeutet das praktisch für meinen Fall? Wenn ich die Feinarbeit abgebe, muss ich eine dritte Kraft einstellen — ich habe ein Angebot, das sind etwa fünfzigtausend brutto im Jahr. Das wäre mehr als mein Gewinn. Ist das ein Argument, das zählt, und wie belegt man es?
Drittens: Gutachten. Die Ablehnung beruht auf einer Aktenlage, nicht auf einer Untersuchung. Kann ich eine Begutachtung verlangen? Und wenn ich selbst ein Gutachten beauftrage — was kostet das realistisch und wird es überhaupt berücksichtigt?
Viertens: Der Zeitfaktor. Ich zahle weiter Beitrag. Soll ich weiterzahlen, während ich widerspreche? Was passiert, wenn ich aussetze?
Fünftens, und die eigentliche Frage: Hat hier jemand eine BU-Ablehnung mit dem Argument der Umorganisation gekippt? Ohne Prozess, im Widerspruch, oder erst vor Gericht? Und wie lange hat es gedauert?
Ich bin siebenundvierzig und ich kann noch zehn Jahre planen und telefonieren. Ich will wissen, ob ich diese zehn Jahre mit einem Verfahren verbringe oder mit dem Labor.
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