Ich verdiene eigentlich ganz okay und trotzdem bin ich finanziell viel näher am Abgrund, als irgendeiner meiner Freunde ahnt. Nicht wegen Krankheit, Scheidung oder irgendeinem Schicksalsschlag. Einfach wegen jahrelanger dummer Entscheidungen.
Reisen auf Kredit, Möbel auf Raten, Handyvertrag zu teuer, Geschenke, Hochzeiten, Essen gehen, weil ich nicht der sein wollte, der immer absagt. Dann Kreditkarte mit Kredit ablösen, Dispo ausgleichen, später wieder reinrutschen. Ich habe aus finanzieller Unsicherheit eine Art Mittelstands-Fassade gebaut.
Meine Partnerin glaubt, ich hätte nur ein paar kleinere Verbindlichkeiten. In Wahrheit ist es deutlich mehr. Sie spricht davon, irgendwann gemeinsam eine Eigentumswohnung zu kaufen, und ich nicke, obwohl ich innerlich schon rechne, wie lange ich meine eigenen Altlasten noch abbezahlen muss.
Das Schlimmste ist: Ich habe teilweise Geld ausgegeben, nur damit niemand merkt, dass ich kein Geld habe. Das ist so absurd, dass ich es kaum aussprechen kann. Inzwischen habe ich angefangen, alles radikal zurückzufahren. Abos gekündigt, Dinge verkauft, weniger bestellen, keine spontanen Käufe.
Es wird langsam besser. Aber die moralische Frage wird größer. Sage ich es ihr jetzt, mitten im Chaos? Oder erst, wenn ich fast alles geregelt habe? Wenn ich warte, sieht es so aus, als hätte ich Verantwortung übernommen. Aber eigentlich kontrolliere ich dann auch, wann und in welcher Version sie die Wahrheit bekommt.
Vielleicht ist das eigentliche Problem längst nicht mehr die Schuldensumme, sondern die Tatsache, dass sie finanzielle Entscheidungen getroffen hat, ohne zu wissen, wie die Lage wirklich aussieht.
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